Energieausweis: Welcher Wert für den Heizkostenrechner?
Endenergie oder Primärenergie? Welche Zahl aus dem Energieausweis gehört in den Heizkostenrechner – und was Warmwasser damit zu tun hat.
Zwei große Zahlen stehen im Energieausweis nebeneinander, beide in kWh/(m²·a): Endenergiebedarf und Primärenergiebedarf. Für den Heizkostenrechner zählt nur eine davon – welche das ist und warum, klärt dieser Ratgeber Schritt für Schritt.
Welche Zahl aus dem Energieausweis gehört in den Rechner
Trage den Endenergiebedarf ein. Er ist die Energiemenge, die dein Gebäude laut Ausweis pro Jahr einkauft – also die Zahl, die sich am Ende auch auf der Heizkostenabrechnung wiederfindet. Der Heizkostenrechner multipliziert Wohnfläche, Heizwärmebedarf und Energiepreis; der Endenergiebedarf ist die Ausweisgröße, die diesem Heizwärmebedarf am nächsten kommt (mit der Einschränkung, die der übernächste Abschnitt erklärt). Steht im Ausweis kein Wert pro Quadratmeter, sondern nur eine Gesamtzahl für das Gebäude, teilst du sie einfach durch die Wohnfläche, bevor du sie einträgst.
Warum nicht der Primärenergiebedarf
Direkt daneben steht meist der Primärenergiebedarf, oft sogar prominenter platziert. Er entsteht, indem der Endenergiebedarf mit dem Primärenergiefaktor des jeweiligen Energieträgers multipliziert wird – ein nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, weithin noch unter der früheren Bezeichnung Gebäudeenergiegesetz oder GEG bekannt) festgelegter Faktor, der den vorgelagerten Aufwand für Gewinnung, Umwandlung und Transport der Energie abbildet. Diese Zahl beantwortet eine ökologische Frage: wie viel Energie insgesamt hinter der gelieferten Wärme steckt, samt Vorkette. Bezahlt wird aber nur die Endenergie, nicht die Vorkette.
Der Unterschied wirkt sich spürbar aus: Eine 90-m²-Wohnung mit einem Endenergiebedarf von 130 kWh/(m²·a) und einem Gaspreis von 0,12 €/kWh kommt im Heizkostenrechner auf rund 90 × 130 × 0,12 = 1.404 € im Jahr. Steht im selben Ausweis ein Primärenergiebedarf von beispielsweise 180 kWh/(m²·a) – etwa weil der Energieträger einen hohen Primärenergiefaktor hat –, ergäben sich mit dieser falschen Zahl rechnerisch 1.944 €, fast 40 % mehr, ohne dass sich an der tatsächlichen Rechnung irgendetwas geändert hätte. Wer den Primärenergiebedarf einträgt, überschätzt seine Heizkosten also systematisch – bei Strom als Energieträger meist am deutlichsten, weil dessen Primärenergiefaktor spürbar über dem tatsächlichen Verbrauch liegt.
Was der Ausweis zusätzlich zeigt (Warmwasser, Klimabereinigung)
Auch mit der richtigen Zahl bleibt eine kleine Differenz. Der Endenergiebedarf im Ausweis deckt Heizung und Warmwasser gemeinsam ab und ist zusätzlich klimabereinigt: Er bildet rechnerisch ein durchschnittliches Jahr ab, nicht das tatsächliche Wetter an deinem Standort. Der Heizkostenrechner dagegen erwartet nur den reinen Heizwärmebedarf fürs Heizen allein; für den Warmwasseranteil ist der Warmwasserrechner zuständig. Der Ausweiswert liegt deshalb etwas über dem, was der Heizkostenrechner eigentlich als Eingabe braucht. Für eine grobe Schätzung fällt das kaum ins Gewicht; wer genauer rechnen will, ermittelt den Warmwasseranteil separat und zieht ihn vorher ab, statt ihn versehentlich doppelt einzurechnen.
Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis
Es gibt zwei Ausweistypen, und sie kommen auf unterschiedlichem Weg zu ihrer Zahl. Der Bedarfsausweis berechnet den Energiebedarf aus Bauweise, Dämmung und Anlagentechnik – unabhängig davon, wie die Bewohner tatsächlich heizen. Der Verbrauchsausweis stützt sich dagegen auf die gemessenen Verbrauchswerte der letzten drei Abrechnungsjahre; er ist witterungsbereinigt, spiegelt aber auch das individuelle Heizverhalten wider. Beide weisen eine Endenergiezahl in derselben Einheit aus, beide taugen für den Heizkostenrechner. Der Bedarfsausweis liefert eher eine Obergrenze, weil er kein besonders sparsames Heizverhalten unterstellt; der Verbrauchsausweis liegt näher an den bisherigen tatsächlichen Kosten, kann aber ein untypisch mildes oder striktes Heizjahr mitschleppen. Welchen der beiden Ausweistypen ein Gebäude hat, steht im Dokument selbst – für die Eingabe in den Rechner macht es keinen Unterschied, welcher es ist.
So setzt du den Wert im Heizkostenrechner ein
Nimm den Endenergiebedarf aus deinem Ausweis und trage ihn als Heizwärmebedarf in den Heizkostenrechner ein. Kennst du deinen Warmwasseranteil bereits – etwa aus dem Warmwasserrechner –, ziehst du ihn vorher ab, dann wird die Schätzung genauer. Wirkt der Ausweiswert im Vergleich zu deinem Gebäudetyp auffällig hoch oder niedrig, hilft die Übersicht Heizwärmebedarf nach Gebäudetyp zur Einordnung, ob der Wert überhaupt plausibel ist. So bleibt die Rechnung eine grobe, aber begründete Schätzung – keine Ersatzrechnung für die tatsächliche Abrechnung deines Energieversorgers. Für eilige Leser fasst die FAQ Welcher Wert aus dem Energieausweis für den Heizkostenrechner? die Kernaussage dieses Ratgebers in wenigen Sätzen zusammen.
Abgrenzung zum Energielabel
Der Energieausweis bewertet ein Gebäude, das Energielabel dagegen ein einzelnes Gerät. Wer die Effizienzklasse eines Kühlschranks oder einer Waschmaschine einordnen will, ist im Ratgeber Energielabel richtig lesen und Geräte vergleichen richtig – dort geht es um EU-Effizienzklassen von A bis G, nicht um Endenergie- oder Primärenergiebedarf.
Die gleiche Heizwärmebedarf-Tabelle nutzt auch der Ratgeber Gasheizung oder Wärmepumpe: Was ist günstiger?, falls als Nächstes ein Heizungstausch ansteht. Beide Ausweiswerte werden übrigens in derselben Einheit angegeben wie der Stromverbrauch von Haushaltsgeräten – was eine Kilowattstunde genau ist, erklärt der Glossareintrag.