Lohnt sich eine Wärmepumpe? Vier Kriterien für die Vorab-Prüfung
Ob eine Wärmepumpe plausibel passt, hängt an Wärmebedarf, Vorlauftemperatur, realistischer JAZ und Strompreis. So ordnest du dein Gebäude vorab ein.
Eine Wärmepumpe lohnt sich vor allem dann, wenn dein Gebäude mit wenig Heizwärmebedarf und niedriger Vorlauftemperatur auskommt und die Anlage im Betrieb eine realistische Jahresarbeitszahl erreicht. Dieser Ratgeber ist deshalb keine Kaufberatung. Er hilft dir, die Eignung vorab einzuordnen und die laufenden Energiekosten plausibel zu rechnen.
Die Entscheidung hängt an vier Werten
Für eine erste Einschätzung reichen vier Werte:
- der jährliche Wärmebedarf des Gebäudes,
- die nötige Vorlauftemperatur und die vorhandenen Heizflächen,
- eine realistische Jahresarbeitszahl (JAZ),
- der Strompreis für den Betrieb.
Der Wärmebedarf sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme das Haus über ein Jahr braucht. Die Vorlauftemperatur zeigt, wie heiß das Heizwasser dafür werden muss. Die JAZ übersetzt diesen Wärmebedarf in Stromverbrauch. Der Strompreis macht daraus laufende Kosten.
Eine Wärmepumpe entzieht Luft, Erdreich oder Grundwasser Wärme und hebt sie mit Strom auf Heiztemperatur. Wie effizient das gelingt, hängt nicht nur vom Gerät ab, sondern stark vom Temperaturniveau der Heizungsanlage.
Gebäude: Wärmebedarf und Vorlauftemperatur
Ein niedriger Wärmebedarf macht die Rechnung leichter. Je weniger Wärme das Gebäude pro Jahr braucht, desto weniger Strom muss die Wärmepumpe trotz guter Effizienz einkaufen. Für eine grobe Einordnung helfen vorhandene Abrechnungen, der Energieausweis oder die Tabelle Heizwärmebedarf nach Gebäudetyp. Wenn du einen Energieausweis nutzt, prüfe zuerst, welcher Wert in die Rechnung gehört: Der Ratgeber Energieausweis: Welcher Wert für den Heizkostenrechner? grenzt Endenergie- und Primärenergiebedarf ab.
Genauso wichtig ist die Vorlauftemperatur. Fußbodenheizungen und groß ausgelegte Heizkörper kommen oft mit niedrigeren Temperaturen aus als kleine Heizkörper in unsanierten Räumen. Niedrige Vorlauftemperaturen verbessern die Chancen auf eine gute JAZ, weil die Wärmepumpe weniger Temperaturhub leisten muss. Den technischen Zusammenhang zwischen Heizkurve, Thermostat und Vorlauftemperatur erklärt der Ratgeber Heizkurve und Vorlauftemperatur verstehen; er ist die Vertiefung zu dieser Vorab-Einordnung.
Für die Vorab-Prüfung zählt deshalb nicht nur die Frage “Altbau oder Neubau?”. Wichtiger ist: Werden die Räume an kalten Tagen auch mit moderater Vorlauftemperatur warm, oder braucht die Anlage dauerhaft hohe Temperaturen? Genau hier endet die Ferndiagnose schnell. Heizlastberechnung, Heizflächenauslegung und hydraulischer Abgleich gehören in die Planung mit Fachbetrieb oder Energieberatung.
Anlage: JAZ realistisch ansetzen
Die Jahresarbeitszahl beschreibt die Effizienz über ein ganzes Betriebsjahr: Eine JAZ von 3,5 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom rechnerisch 3,5 kWh Wärme entstehen. Je höher die JAZ, desto niedriger fallen die Stromkosten bei gleichem Wärmebedarf aus.
Datenblattwerte sind dafür nur der Startpunkt. COP und SCOP beschreiben Prüfpunkt- oder Normwerte; die reale JAZ entsteht erst im konkreten Gebäude mit seiner Vorlauftemperatur, Regelung, Warmwasserbereitung und Nutzung. Wenn die Anlage schon läuft, kannst du die Jahresarbeitszahl aus Zählerständen ermitteln. Für bestehende Anlagen ist dieser gemessene Wert belastbarer als ein Prospektwert.
Bei neuen Anlagen bleibt die JAZ eine Annahme. Setze sie im Wärmepumpenrechner nicht zu optimistisch an und rechne mindestens ein vorsichtiges Szenario mit. Wenn die Wärmepumpe später eingerichtet wird, sind Heizkurve, Warmwasserzeiten und Vorlauftemperatur wichtige Stellschrauben; die Anleitung Wärmepumpe richtig einstellen führt durch diese Betriebsseite.
Betriebskosten vorab einordnen
Die Grundrechnung ist einfach:
Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ
Betriebskosten = Stromverbrauch × Strompreis
Beispiel als Rechenannahme für DACH 2026: Bei 12.000 kWh Wärmebedarf, einer JAZ von 3,5 und 0,30 €/kWh Strompreis ergeben sich rund 3.429 kWh Strom und damit etwa 1.029 € Stromkosten pro Jahr. Die 0,30 €/kWh stehen hier für einen eigenen Wärmepumpentarif, nicht für den Haushaltsstrompreis; solche Tarife können wegen reduzierter Netzentgelte nach § 14a EnWG niedriger liegen. Bei gleicher Annahme, aber nur JAZ 2,8, steigt der Stromverbrauch auf rund 4.286 kWh und die Kosten auf etwa 1.286 €. Die Differenz kommt allein aus der Effizienzannahme.
Für die Gegenrechnung mit Gas reicht es nicht, nur Gaspreis und Strompreis zu vergleichen. Gas muss über den Nutzungsgrad der Heizung gerechnet werden, die Wärmepumpe über die JAZ. Der Ratgeber Gasheizung oder Wärmepumpe: Was ist günstiger? stellt diese Betriebskostenrechnung nebeneinander. Anschaffungskosten, Förderung, Wartung und rechtliche Vorgaben gehören nicht in diese Vorab-Rechnung.
Grenzen der Vorab-Rechnung
Diese Seite beantwortet die Frage, ob eine Wärmepumpe im konkreten Gebäude betriebskostenseitig plausibel wirkt. Sie ersetzt keine Auslegung. Spätestens wenn Heizkörper getauscht, Dämmmaßnahmen geplant, Warmwasser zentral mitgerechnet oder mehrere Wärmeerzeuger kombiniert werden, braucht die Rechnung Gebäudedaten und Fachplanung.
Vorsichtig solltest du auch bei pauschalen Aussagen wie “Wärmepumpen lohnen sich im Altbau nicht” oder “Wärmepumpen sind immer günstiger”. Beides ist zu grob. Entscheidend ist die Kombination aus Wärmebedarf, nötiger Vorlauftemperatur, realistischer JAZ und deinem Strompreis. Wenn einer dieser Werte unsicher ist, rechne ihn als Spannbreite statt als feste Zahl.
Quellen
VDI 4650 Blatt 1 — Kurzverfahren zur Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpenanlagen
DIN EN 14511 (Teile 2 und 3) — Luftkonditionierer, Flüssigkeitskühlsätze und Wärmepumpen mit elektrisch angetriebenen Verdichtern
DIN EN 14825 — Prüfung und Leistungsbemessung unter Teillastbedingungen und Berechnung der jahreszeitbedingten Leistung